Eine weitere Idee im BÜZ Münchberg entstand aus einer ganz anderen Richtung. Wenn es einen Ort gäbe, an dem Jugendliche völlig unkompliziert hinterlassen könnten, was sie nervt, was würde dort wohl stehen?
Der erste Gedanke war eine Fläche mit dem Titel „Das kotzt mich an!“. Die Idee war bewusst niedrigschwellig. Kein Gesprächskreis, keine vorgegebene Aufgabe. Einfach ein Ort, an dem Gedanken hinterlassen werden können.
Aus der Diskussion darüber entstand schließlich die Idee, die Toilettenwände mit Tafelfolie zu gestalten. Dort können Jugendliche mit Kreidestiften schreiben und zeichnen.
Im weiteren Prozess kam noch eine zweite Perspektive dazu: ein Ort für das, was gefällt.
Bei der Suche nach einer passenden Formulierung entstand unter anderem die Frage, wie man „Das finde ich toll“ eigentlich in Jugendsprache ausdrücken könnte. Die Antwort eines 17-Jährigen:
„Dafür gibt es eigentlich nichts in der Jugendsprache.“
Am Ende wurde daraus eine einfache Lösung: Daumen hoch und „Das gefällt mir“.
Auch dieses Projekt zeigt, wie kulturelle Bildung in einem offenen Jugendtreff funktionieren kann. Die Idee entsteht nicht am Reißbrett und wird dann umgesetzt. Sie verändert sich durch Gespräche, Einwände, Vorschläge und das, was vor Ort möglich ist.
Und manchmal ist genau dieser Prozess wichtiger als das ursprüngliche Konzept.
Die Toilettenwände werden damit zu einer Plattform. Für Ärger, Meinungen, Kommentare, Zeichnungen und vielleicht auch Dinge, die sonst keinen Platz bekommen.
Das JuKu-Mobil liefert dabei nicht einfach ein fertiges Kunstprojekt. Gemeinsam mit dem Team des BÜZ wird nach Formen gesucht, in denen Jugendliche ihre Perspektiven hinterlassen können.
Denn Beteiligung sieht in der offenen Jugendarbeit nicht immer danach aus, wie man sie sich vorher vorgestellt hat.
Manchmal ist sie laut.
Manchmal beiläufig.
Manchmal nur ein Satz im Vorbeigehen.
Und manchmal entsteht daraus eine ganze Wand.
Kursleitung: Anne Römpp