Ein Rückblick auf einen Prozess im BÜZ Münchberg

Was passiert, wenn kulturelle Bildung in einem offenen Jugendtreff nicht mit einem fertigen Workshop beginnt?

In den vergangenen Monaten wurde im BÜZ in Münchberg genau das ausprobiert. Statt Jugendliche an einen Tisch zu holen und ihnen eine konkrete Aufgabe zu geben, ging es zunächst darum, den Raum selbst zu beobachten. Wo halten sich Jugendliche auf? Welche Orte nutzen sie? Wo lassen sich Spuren ihres Alltags finden? Und wie kann daraus ein kreativer Prozess entstehen?

Das bedeutete auch, auszuhalten, dass manchmal niemand so richtig mitmachen wollte. An einem Termin waren beispielsweise fast alle Jugendlichen beim Fußballspiel. Also wurde trotzdem weitergedacht, ausprobiert und beobachtet, was passiert, wenn etwas im Raum zurückbleibt.

Ein anderes Mal wurden große Papierbahnen auf dem Boden befestigt. Das Papier war plötzlich mitten im Weg und wurde dadurch automatisch zum Gesprächsthema.

„Ha, das wird doch bestimmt Kunst!“

Als ein Jugendlicher später über das Papier sprang und dabei eine Fußmatte als Insel nutzte, wurde daraus direkt eine neue Idee:

„Du kannst schon drüber laufen, wir sammeln Fußabdrücke, das wird dann Kunst!“

Genau solche kurzen Begegnungen waren der Ausgangspunkt für die weitere Arbeit.

Offene Jugendarbeit funktioniert anders als ein klassischer Workshop. Jugendliche kommen nicht unbedingt mit dem Ziel, kreativ zu arbeiten. Sie kommen zum Treffen, zum Fußballspielen, zum Chillen oder weil sie ihre Freundinnen und Freunde sehen wollen. Manchmal bleiben sie nur wenige Minuten. Manchmal entsteht aus einer beiläufigen Frage ein längeres Gespräch.

Kulturelle Bildung muss deshalb nicht immer mit „Jetzt machen wir ein Projekt“ beginnen.
Manchmal beginnt sie damit, etwas auszuprobieren und offen zu lassen, was daraus wird.
Der folgende Prozess hat gezeigt, dass genau aus diesen kleinen Begegnungen nach und nach größere Ideen entstehen können.

Kursleitung: Anne Römpp