Manchmal muss eine Idee einfach erst einmal herumstehen

Ein Teil des Prozesses im BÜZ Münchberg bestand aus kleinen Experimenten, die zunächst gar nicht unbedingt als fertiges Kunstprojekt gedacht waren.

Eine Idee war, aus Gegenständen im Jugendtreff gemeinsam Balance-Türme zu bauen. Doch an einem Termin war niemand da. Die Jugendlichen waren beim Fußballspiel in Münchberg.

Also wurde ein erster Turm trotzdem gebaut und im Raum stehen gelassen.

Beim nächsten Besuch war die Reaktion zunächst: Was ist das denn?
Doch nachdem der Turm entdeckt und wieder abgebaut worden war, entstanden daraus eigene Varianten. Jugendliche bauten selbst neue Türme und probierten aus, was mit den vorhandenen Gegenständen möglich ist.

Auch hier ging es nicht darum, möglichst schnell ein fertiges Ergebnis zu produzieren. Die Idee war ein Impuls, der im Raum bleiben durfte, bis jemand damit etwas anfangen wollte.

Das ist eine der Herausforderungen, aber auch eine der Möglichkeiten offener kultureller Bildung. Beteiligung lässt sich nicht erzwingen und Kreativität lässt sich nicht terminieren.

Wenn ein Angebot nur dann als erfolgreich gilt, wenn alle gleichzeitig am Tisch sitzen und eine Aufgabe erledigen, wird ein großer Teil dessen übersehen, was in offenen Jugendtreffs tatsächlich passiert.

Manchmal wird eine Idee erst am nächsten Tag interessant.
Manchmal entsteht eine kurze Unterhaltung daraus.
Manchmal wird etwas abgebaut und neu zusammengesetzt.
Und manchmal passiert scheinbar gar nichts.
Trotzdem kann etwas in Bewegung geraten.

Im BÜZ wurde deshalb zunehmend mit offenen Impulsen gearbeitet, die im Alltag des Jugendtreffs auftauchen konnten. Daraus entwickelten sich später unter anderem die Projekte zur Wunsch-Zukunft und zu den Toilettenwänden.

Kursleitung: Anne Römpp